Fast schon ein Déjà vu. Vorweihnachtszeit und so gut wie nichts läuft mehr. Zumindest wenn es um Ausstellungen geht. Es sei denn hinter der Scheibe. Schaufenster mit Kunst haben in diesen trüben Tagen Konjunktur. Das Kunstfenster in Dießen zeigt ganzjährig Bilder hinter Glas, auch zum Jahresausklang. Wie schon im letzten Jahr mit der Ausstellung „Street Art“ gibt es auch heuer Text und Bild in den drei Fenstern. Passend zu den beiden Webcambildern vom Moserboden, die gerade an den Wochenenden im Pavillon der ADK in den Seeanlagen zu sehen sind, zeigt der Dießener Maler Martin Gensbaur zwei Ansichten vom höchsten Punkt Deutschlands: die Zugspitze am Mittag und bei Vollmond. Eine fest installierte Webcam liefert alle 10 Minuten aktualiserte Bilder über das Internet, auch in der Nacht. Das Tagbild ist nach mehreren Screenshots entstanden. Aufnahmen die eine Livecam Tag und Nacht in die Welt sendet. Auch wenn nichts mehr geht, gibt es wenigstens noch solche Bilder von ganz oben.
Süddeutsche Zeitung, 3.12.2021
Kreisbote Weilheim-Murnau, 4.12.2021
Landsberger Tagblatt extra, 8.12.2021
Augsburger Allgemeine, 18.11.2021
Augsburger Allgemeine, 22.11.2021
QUARANTA oder 40 Versuche zur Flüchtigkeit des Augenblicks
Um das Besondere dieser
Ausstellung zu verstehen, muss man den Zeitraum genauer betrachten, in dem die Bilder gemalt wurden. Nichts blieb 2020 so, wie gewohnt. Viele Vorhaben, manche Perspektive haben sich, allein schon
wegen der eingeschränkten Bewegungsfreiheit, verändert. Vierzig Ölskizzen spiegeln ein außergewöhnliches Jahr. Sie sind im Saal der Abtei Venio in chronologischer Folge in Leserichtung
ausgestellt, gerahmt von zwei Bildern vor der Pandemie an den beiden Säulen und begleitet von zwei Arbeiten größeren Formats in der Mitte der Hauptwand. Konkrete Hinweise auf die Pandemie sucht
man in den Bildern vergeblich. Es gibt keinen „running gag“, keine versteckten Narrative, auch wenn abgestellte Anhänger, in Plastikplanen gehüllte Segelschiffe oder leergefegte Baustellen in
Gewerbegebieten sowie die Abwesenheit des Menschen als inhaltliche Anspielungen auf die Ausgangsbeschränkungen verstanden werden können. Und doch spiegelt sich in ihnen ein Jahr im
Ausnahmezustand der gesellschaftlichen „Quarantäne“. So lautet auch der Beitrag des Journalisten und Philosophen Alois Kramer, der dieses Phänomen historisch beschreibt, zu der Publikation DAS
KUNSTFENSTER Nr.7. Der Kunsthistoriker Thomas Raff setzt sich in seinem Text mit der Zahl 40, „Quaranta“ auseinander und der Schriftsteller Sebastian Goy nimmt den Untertitel der Serie zum Anlass
einen „nicht ganz flüchtigen“ Text zu verfassen. Eine ungewöhnliche Kombination von Texten und Bildern, ungewohnt wie das ganze Jahr 2020.
Links zu dem Thema:
Aloys news, vom 19. September 2021
Hinweis auf Aloys News, 6. Juni 2021
Augen auf in der Dießener Hofmark! Auch wenn nicht geblitzt wird, konnte man geflasht sein. Der Dießener Maler Martin Gensbaur hängte die Innenfenster seiner Werkstatt aus und gab den Blick in den Raum frei. Absolut coronakonform präsentierte er so für knapp zwei Wochen die Serie „Große Flamingos“. Für viele war es der zweite Sommer daheim. Warum sollte man auch in die Ferne schweifen? Inland statt Rückkehrer-Quarantäne. Walchensee statt Karibik. „Bayerische Karibik“ ist auf vielen Instagram- oder Facebookseiten in Kombination mit dem eigenen Selfie zu lesen. Es ist wie im Traum. Alles, was man aufblasen kann, schwimmt vor der atemberaubenden Kulisse des smaragdgrünen Bergsees im Kontrast zu den steil abfallenden Wänden des Herzogstands im Westen und dem imposanten Karwendelgebirge im Süden. Besonders an den Wochenenden und in Ferienzeiten wird es eng. Es gibt mehr Freizeit-Fahrzeuge und Wohnmobile als Parkplätze, deutlich mehr Motorräder und E-Bikes als Fahrwege, mehr Bergläufer und Wanderer als Bergwege und Hütten und wesentlich mehr Kite- oder Normal-Surfer, Tret- und Ruderboote, Segler und Stand-Up-Paddler auf dem Wasser als je zuvor. Und im vergangenen August tauchte auch noch ein Partyboot in Form eines Flamingos auf. Im Format XXL selbstredend.
Das Karibikfeeling ist perfekt, solange nicht Wolken ihre dunklen Schatten über die Wasserfläche treiben, Unwetter aufkommen und sich der Augen- in einen Nervenkitzel verwandelt. Denn der Walchensee ist im gleichen Moment auch schwarz und unheimlich tief. Der Vorhang geht auf: Die Reise auf dem Partyboot mit eingebauten Kühlfächern für das Bier gleicht der Überfahrt über den Styx.
Kunstfenster, Hofmark 13, 86911 Dießen
Ausstellungsdauer: 15. – 24. Oktober 2021.
Die Ausstellung war als Showroom zur Straße hin ganztägig von außen einsehbar. Besuch nach Voranmeldung war möglich
([email protected]).
siehe auch:
Augsburger Allgemeine, 14.10.2021
Süddeutsche Zeitung, 17.10.2021
Für den, der den Unterschied zwischen Kunst und Wirklichkeit kennenlernen will, lohnt sich ab sofort ein Besuch des Pavillons der Arbeitsgemeinschaft Dießener Kunst in den Seeanlagen. Der Maler Martin Gensbaur zeigt hier seit Sonntag, dem 1. August ein Gemälde aus seiner aktuellen Serie mit dem Titel „see“. Er bezieht sich mit den Arbeiten seiner Serie auf einen Satz des Schriftstellers Martin Walser aus dessen Roman „Ehen in Philippsburg“. Walser verfüge über genug eigene Erfahrungen, dass „seine von der Wirklichkeit ermöglichten Erfindungen den oder jenen wie eigene Erfahrungen anmuten“. So genügt im Pavillon am See schon ein kurzer Schritt vor die Tür um Kunst und Wirklichkeit direkt miteinander zu vergleichen. Für den, der hier öfter unterwegs ist, könnte das Bild das eine oder andere Dejà vú bereithalten. Übereinstimmungen mit realen Orten, lebenden Personen oder deren Haustieren sind denkbar. Doch unterliegen solche dem Zufall und der künstlerischen Freiheit. Es gibt Stimmen, die das Bild im Format 80 cm x 80 cm mit einer Schönen im Tretboot und einer Rückenfigur mit Hund bereits jetzt zu einem „Ammersee-Klassiker“ erklären.
Da das Bild in Dießen so gut angenommen wird, werden bis Ende August Postkarte gedruckt, die im Pavillon erhältlich sind.
Links zu dem Thema:
Augsburger Allgemeine vom 2. August 2021
Augsburger Allgemeine vom 12. August 2021
Aloys news vom 16. August 2021
Aus der Bewerbung um Teilnahme am Happening der Bildenden Kunst im Landkreis Landsberg ist nichts geworden. Nun zieht der Hund weiter ...
... Dießener Spaziergänger wissen vielleicht schon wohin.
Ammerseerenke - Kunstgeschichten vom Ammersee