Willkommen auf der Website des Kunstfensters in Dießen am Ammersee

Das Kunstfenster ist eine Ausstellungsplattform in verkehrsreicher Lage, mitten in Dießen am Ammersee.
Wo viele Menschen täglich vorbeikommen, findet sich regelmäßig Kunst im Fenster. Gelegentlich gibt es dort Ausstellungen, Kinderworshops, Lesungen, Vorträge und Künstlergespräche zu Themen zeitgenössischer Malerei und Fotografie.

 


"Ich fühle mich beobachtet"

 

Der Kommentar des Dießener Künstlers Christoph Franke auf eines der Bilder, die während des Stay Home 2020 in Dießen entstanden, könnte auch auf den einen oder anderen Bewohner des Isarwinkels zutreffen. Zur Zeit im Kunstfenster, nur mit Einbahnregelung und Ampelschaltung zu besichtigen.

#stayhome

 

Vielleicht hilft Malen ja gegen die Krise? Seit Anfang April entstehen kleine, rasch hingeworfene Skizzen, in unmittelbarer Nähe zu meinem Wohnort Dießen und mit sehr viel Abstand zu irgendwelchen anderen Personen.

 

Darf man das zur Zeit noch? Mir geht es jedenfalls wie David Hockney, der kürzlich in einem Interview des SZ-Magazins meinte: "ohne zu Malen, geht es mir nicht gut". Und mein "Atelier" ist nun mal draußen, vor der Tür.

In der Hoffnung, dass die Reihe meiner "Anti-Corona-Bilder" nicht endlos lang werden wird!

 

 

...und hier geht es zur Serie #stayhome

 

Die Nachrichten aus Italien machen uns alle sprach- und bilderlos. Wir leiden mit unseren Freunden, haben große Sorge um die Zukunft Europas und der Welt. Deshalb bleiben wir möglichst in unseren vier Wänden im KUNSTFENSTER und zeigen unsere Bilder leider nur auf dieser homepage. Natürlich hoffen wir auf noch viele Ausstellungen mit Originalen, auf Gespräche mit zahlreichen Besuchern vor Ort und auf neue Bilder und Themen, sobald dies wieder ohne Risiko erlaubt sein wird. Soviel ist jetzt schon sicher: Das Kunstfenster Nr.7 widmen wir dem Thema "Italia - Germania". Doch vorher geht es erst mal um "mein Japan", wenn wieder etwas geht.


Alle für April/Mai geplanten Veranstaltungen sind wegen Corona in den Herbst verschoben, in der Hoffnung die Krise bis dahin hinter uns zu haben!



 

In Vorbereitung:

 

 

scaneg Verlag München

 

Martin und Ulrike Gensbaur (Herausgeber)

 

 

DAS KUNSTFENSTER  Nr. 6

 

 

„Mein Japan“

 

 

64 Seiten mit 47 Farbabb., Broschur, 21 x 21 cm, Fadenheftung, € 12,–

 

 

ISBN 978-3-89235-246-4

 

 

 voraussichtlich im Herbst 2020

 

 

 

 

Die Japanmode, auch „Japonismus“ genannt, war Ende des 19. Jh. dabei, die Sichtweise der westlichen Welt zu revolutionieren. Laut eines zeitgenössischen Kommentars eroberte die Begeisterung sämtliche Ateliers mit der Geschwindigkeit einer Flamme an einer Zündschnur. Obwohl Vincent van Gogh das Land nie selbst besuchte, war es Japan, das ihn und seine Malerei nachhaltig beeinflusste. Nachdem er bei Siegfried Bing in Paris japanische Farbholzschnitte kopiert hatte, verlässt er im Frühjahr 1888 Paris. „Mein Japan“ soll er ausgerufen haben, als er das erste Mal die Fenster seines neuen Refugiums in Arles öffnete.

 

Die Texte der 6. Ausgabe der Schriftenreihe DAS KUNSTFENSTER handeln von Japan und China. Der Beitrag von Clara Gensbaur-Shao wirft ein Licht auf die Entwicklungen des späten 19. und frühen 20. Jh.. Er ist ein Auszug aus ihrer 2019 verfassten Schrift „Die Entstehung der Ostasiatischen Kunstgeschichte in Deutschland“. Eine Wissenschaft, deren Gründung zu Beginn des vorigen Jahrhunderts all denen zu verdanken ist, die der Mode des Japonismus verfallen waren, die die Kunst Ostasiens kopierten, sammelten und studierten und den vielen, die seitdem an den verschiedensten Orten der Welt „ihr Japan“ gefunden hatten.

 

„Mein Japan“ kann für zeitgenössische Maler auch ganz ohne eine Flugreise neu zu entdecken sein, wie es die Bilder in diesem Heft nahelegen. Martin Gensbaur kennt das Land ebenso wenig aus eigener Anschauung wie Dieter Finzel. Dennoch trifft auf die Bilder beider Künstler das zu, was Edmont de Concourt über den Japonismus im 19. Jh. schrieb: „Die Farbholzschnitte waren eine Quelle der Anregung,  nicht für Nachahmung, sondern zum Ausloten von Verwandtschaften, nicht nur Vorbild, sondern Katalysator....Ein jeder übernahm von den Eigenschaften der japanischen Kunst diejenigen, die die größte Nähe zu ihren eigenen Stärken bargen.“ Dieter Finzel nahm einige Jahre Unterricht bei einem japanischen Kalligraphen. Seine kleinen konzentrierten, mit sparsamen Mitteln ausgeführten Malereien, die die Grenzen zwischen figurativer und abstrakter Kunst, zwischen fernöstlicher Kalligraphie und westlichem Informel ausloten, entsprechen ihrem Wesen nach der Lehre des Zen.

 

Nie war es so einfach, sich kulturell über den Globus hinweg auszutauschen. Im digitalen Zeitalter entsteht kaum mehr ein Bild ohne Technologie, die in Japan, Korea oder in China hergestellt ist. Kulturelle Unterschiede heben sich in einer globalen Welt auf. Da wie dort sind traditionelle Sehweisen verschwunden. Doch die Kunst Ostasiens bietet Anregungen, die andernorts nicht zu finden sind. Dem gehen Dieter Finzel und Martin Gensbaur in ihren Bildern nach.

 

Jahresrückblick 2019

 

 

Wie in jedem Jahr geht es vor dem Kunstfenster turbulent zu, wenn am "lumpigen Donnerstag" Dießens Kinder auf dem Weg von der Schule zum Marktplatz sind. "SÜSSES" ist der nicht zu überhörende Aufruf! Wir tun unser Bestes!


  "Pratoranieri", Öl/Lwd., 54 cm x 65 cm, 2020

in Vorbereitung:


Mein Japan

 

Zwei Künstler zeigen im Kunstfenster ihre Arbeiten zu dem Thema "Mein Japan". Keiner der beiden war je selbst dort, ebenso wenig wie Vincent van Gogh. Als dieser im Frühjahr 1888 erstmals in die Provence reiste und die blühenden Bäume sah, soll er ausgerufen haben, was unserer Ausstellung den Titel gibt. Zuvor hatte er bei dem deutschen Kunsthändler Siegfried Bing und dem Japaner Hayashi Tadamasa in Montmartre japanische Druckgrafik von Hokusai kopiert und war, wie viele seiner Zeitgenossen, der Mode des Japonismus verfallen.

Der Name "Japan" hat für Maler bis in unsere Tage einen mythischen Klang. Dieter Finzel nahm sieben Jahre Unterricht bei Kokugyo Kuwahara, einem japanischen Zen Mönch in München, mit wöchentlichen Treffen und täglicher Übung. Seine abstrakte Malerei führt im Kunstfenster einen Dialog mit Landschaften des Gastgebers Martin Gensbaur. Seine 36 ausgesuchten Ölbilder und Gouachen ergeben ein Ganzes, vergleichbar mit den "36 Ansichten des Berges Fuji" von Katsushika Hokusai. Ein zeitloses Thema.

 

Neben zahlreichen Abbildungen mit Gegenüberstellungen der Arbeiten beider Künstler bringen wir in der sechsten Ausgabe der Schriftenreihe DAS KUNSTFENSTER einen Beitrag von Clara Gensbaur-Shao (MA) über die Entstehung der Ostasiatischen Kunstgeschichte in Deutschland.

 

 


das war 2019


 

 

"zu schön um wahr zu sein"

 

Elke Jordan - Landschaften

Gregor Netzer - Nekrographie

Martin Gensbaur - Malerei

 

 

Dezember 2019

 

 

 

Rede zur Eröffnung der Ausstellung am 1. Dezember

 

Liebe Elke, lieber Gregor, liebe Freunde des Kunstfensters,

 

Wenn drei Künstler zusammen ausstellen, dann wird man nach Verbindungen fragen. Wir kennen uns zwar erst seit zwei oder drei Jahren. Doch eine Verbindung Gensbaur mit Netzer, das hat es vielleicht schon einmal gegeben, vielleicht vor 60 Jahren. Darauf sind Gregor und ich diese Tage im Gespräch zufällig gekommen. Wir können die beiden nicht mehr fragen. Meine Tante Hella Gensbaur organisierte in den Räumen der Münchner Residenz die Veranstaltungen der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Und dort ging in diesen Jahren Gregors Onkel, der Maler und Kunstkritiker Remigius Netzer, ein und aus. Sein Buch „Auf dem Weg zur Moderne“  hat mich lange begleitet. Außerdem hat er eine Tankstelle gemalt. Ich habe sie erst vorgestern im Internet entdeckt. Dort wird das Bild zum Kauf angeboten.

 

Das alles wußten wir natürlich noch nicht, als wir, meine Frau Ulli und ich, Elke Jordan und Gregor Netzer zu einer Ausstellung in unser Kunstfenster eingeladen haben. Die beiden sind unsere Freunde. Das Kunstfenster versteht sich als eine Zelle mit möglicher Außenwirkung. Und so laden wir immer wieder Künstler zu uns ein. So wie jetzt zur Ausstellung mit dem Titel „zu schön um wahr zu sein“. Wir sind keine Galerie. Wir verdienen kein Geld damit. Wir zeigen die Kunst unserer Freunde im Dialog mit den eigenen Bildern.

 

Und jede Ausstellung zeigt etwas Neues. Ich beginne mit dir, liebe Elke. Dein Bild im Schaufenster ist extra für diesen Ort, an dem wir es zeigen, entstanden. Du hast es an unser Kunstfenster angepasst. Wir haben im Vorfeld der Ausstellung besprochen, wie klein die drei Fenster zur Straße und wie überschaubar die Standardmaße meiner eigenen Bilder sind, die ich dort üblicherweise zeige. Wir haben auch über den Begriff immersiv gesprochen. So bezeichnet man Bilder, in die der Betrachter eintauchen kann. Bitte entschuldige den vielleicht etwas weit hergeholten Vergleich. Mich erinnert dein Bild, wenn es bei uns nachts bei Neonlicht im Fenster hängt, an den Amerikaner Mark Rothko. Ähnlich wie bei seinen Bildern die Grenzen der Farbfelder verschwimmen, schwebt dein Bild vor dem Rahmen unseres Kunstfensters.

 

Gehen wir hinein. Ein wesentlich größeres Format. Eindeutige Hinweise auf Landschaft, ein hoher Himmel, Wolkenstimmung, ein tiefer Horizont, ein Wasserlauf. Die abstrakte Farbfeldmalerei ist erst einmal weg. Das Gefühl Eintauchen zu können bleibt.

 

Und noch einen Raum weiter, in unser Lager: Hier sehen wir Elke Jordan so, wie man sie kennt. Ein so riesiges Format in unserem kleinen Kunstfenster! Vor meinem Bilderschrank nimmt es die Regalbreite mit meinen Arbeiten der letzten 20 Jahre ein. Bitte Abstand halten! Das fein gewebte Leinen könnte schmutzig werden. Eigentlich ist das Bild nicht gemalt. Elke Jordan tränkt die Leinwand mit dünner Farbe. Sie färbt sie ein mit einer Mixtur aus Sand, Pigmenten und Eitempera, vielleicht ähnlich wie der Künstler Wolfgang Laib, der riesige Farbfeldmalerei aus Blütenstaub, Gräsern und Pollen macht. Wären da nicht die hingestrichelten Grashalme, Andeutungen von Büschen und Bäumen. Alles ganz zart, fast durchsichtig. Die Reihe fängt an der Straße klein an. Von Raum zu Raum werden die Formate größer und steigern ihre Wirkung. Kompliment Elke! Das hast du geschickt inszeniert!

 

Gregor Netzer macht in den letzten Tagen einiges mit. Zuerst gefallen mir seine Klammern und selbst gebastelten Aufhänger aus Draht nicht. Dann will ich das wellige Papier im Fenster irgendwie glatt bügeln oder festkleben. Die Bilder, die er anders nicht lagern kann, als sie hinter dem Trägerkarton mit einzuspannen, nehme ich erst mal weg und lagere sie im Nebenraum. Im Geheimen habe ich sogar schon mit dem Gedanken gespielt, die Fingerabdrücke an den Rändern und Kanten der Papierbögen zu radieren um irgendwie das auf alles und überall abfärbende Graphitpulver in den Griff zu kriegen.

 

Keine Angst Gregor!  Ich habe es dann doch nicht gemacht. Und dann spricht Katja Sebald in ihrem  Artikel in der Süddeutschen Zeitung auch noch von „Sterbebildern“ und beklagt, dass gleich vier Feldhasen ihr Leben lassen mussten um so abgedruckt und anschließend in einem opulenten Mahl verspeist zu werden. Feldhasen! Der Friedenshase von Joseph Beuys. Ein Tier auf der roten Liste des Artenschutzes. Das Tier des Jahres 2019. Eine Horrorvorstellung, nicht nur für alle Vegetarier, Veganer und Tierschützer. Darunter soll es auch militante geben. Kurzzeitig haben wir uns überlegt, ob du Polizeischutz brauchst nach dieser Pressenachricht.

 

Keine Angst! Kein Tier muss sein Leben eigens für die Kunst Gregor Netzers lassen. Er behandelt alle mit dem größten Respekt, setzt mit seinen „Nekrographien“ vielleicht sogar ein Zeichen für den Erhalt der Artenvielfalt und den Artenschutz. Denn, so sind sie nun einmal, so ist ihre Oberfläche, wenn man sie sichtbar macht. So und nicht anders. Zwei Feldhasen, ein Steinbutt und nebenan ein Hecht, der wie eine Trophäe über der Türe hängt. „Zu wahr um schön zu sein“, meint Katja Sebald. „Zu schön um wahr zu sein“ meinen wir. An der Wand werden Gregor Netzers Blätter zu ästhetischen Objekten. Schön anzusehen, wenn es gelingt auszublenden, dass es sich um tote Tiere handelt und, wenn man die Vorstellung los wird, wie der Abdruck von Schuppen und Fell auf das Papier kam. Und draußen im Schaufenster? Selten einen toten Hasen so lebendig gesehen. Er könnte jeden Moment unter die Räder des schwarzen Gigaliners im mittleren Fenster kommen oder auf die Straße springen. In der Hofmark wäre das tödlich.

 

Nur mit Mühe gelang es uns Gregor Netzer davon zu überzeugen, dass er seine Arbeiten mit Magneten an die Wand hängt. Vielleicht kann sich jemand erinnern. Vor drei Jahren waren an derselben Wand großformatige Tuschemalereien der taiwanischen Künstlerin Jiang Sanshi ausgestellt. Auch sie verwendet empfindlich dünnes Papier wie Gregor Netzer. Und auch bei ihren Arbeiten spielen zufällige Spuren eine Rolle, weil sie zum Malen die Papierbahnen direkt auf dem Waldboden ausbreitet. Doch damit hört die Vergleichbarkeit der beiden auf. Während Jiang Sanshi ein Revival der längst ausgestorbenen Hochkultur der chinesischen Berg-Wasser-Malerei versucht, gibt Gregor Netzer den Antikünstler. Und das ist spätestens seit Marcel Duchamp ein Ehrentitel. Das passt zu ihm. Er ist ein Original. Und er will das so. Es wird uns nicht gelingen, Gregor Netzer davon zu überzeugen, dass man Graphit auf Papier mit einem Fixativ behandeln und das Papier auf einem Trägerpapier aufziehen, ordentlich rollen und lagern kann. Aufgeräumt, quadratisch oder gerollt, praktisch, gut. Das hätte er längst gemacht, wenn er das wollte. Nein, seine „Nekrographien“ sollen unpraktisch, unbequem und sperrig sein. Nur schön, das wäre zu harmlos. Für manche vielleicht sogar ein Ärgernis. Wenn sich jemand bei dem Gedanken, wie diese Bilder entstanden sind, ekelt, dann geschieht ihm das ganz recht. Vorsicht Feinstaub! Kommen Sie den Arbeiten nicht zu nah! Graphit färbt ab. Gregor Netzers Haltung ist antiakademisch und seine Kunst ist alles andere als Hochkultur. Sein Kunstautomat steht nun mal auch auf der Straße und nicht im Museum. Genau das ist es, was uns an unserem Gast fasziniert: Das hier macht nur Gregor Netzer. Und die Hofmark, an der unser Kunstfenster liegt, ist nun mal auch nicht das Münchner Museumsviertel. Kunst für alle, die vorbeikommen. Und das sind in unserem Fall sehr viele.

 

Und wie geht das alles mit meinen eigenen Arbeiten zusammen? Zum Eintauchen sind die beiden Landschaften vom Walchensee zu klein. Remigius Netzer schreibt in seinem Buch auch von Lovis Corinth und seinem großen Selbstporträt vor der Kulisse des Sees. Er hat den Ort, an dem das Bild gemalt wurde, ganz sicher selbst aufgesucht und bestens gekannt. Er hat sich wahrscheinlich nicht, wie ich, heimlich auf dem Grundstück, das heute der Familie Heisenberg gehört, herumgetrieben. Als Kulturjournalist des Bayerischen Rundfunks war er sicher dorthin eingeladen. Er beschreibt in seinem Text die Berge und das Urfeld gegenüberliegende Ufer von Altlach, das typische Leuchten des Sees und der Berge exakt. Nur einen Steinwurf oberhalb der von ihm so kennerhaft beschriebenen Stelle sind meine beiden Bilder entstanden.

 

Was ist mein Markenzeichen? Vielleicht, dass ich alles direkt vor Ort male, weil ich nur malen kann, was mir gegenübersteht, was mich ansschaut. Und das sieht Katja Sebald in ihrem Artikel ganz richtig. Das geht hier in der Dießener Hofmark nun einmal gar nicht. Auch wenn es der kleine Film auf unserer Webseite Glauben machen will. Ohne die Hilfe meiner Frau Ulli, die immer wieder mal schnell mit dem Handy aus dem Fenster fotografiert, lässt sich der Verkehr, der täglich an uns vorbeirollt, nicht anhalten und malen. Auch nicht „al fresco“, auch wenn das Malen bei diesem Verfahren ganz rasch gehen mus. Warum gehe ich dann nicht hinunter in die verkehrsberuhigte Mühlstraße oder gleich direkt an den See? Weil das andere auch machen. Doch hier, an dieser Stelle sorgt ein Maler für Staunen. Noch! Gestern Mittag erreicht mich ein aufgeregter Anruf meiner Tochter Clara. Mitten in der Verdistraße steht ein Maler an einer Staffelei. Und das bei dem Wetter! Ist so etwas Antikunst? Vielleicht. Auf jeden Fall eine Verweigerung an eine Kunst, die nur „schön“ sein will und eine Gemeinsamkeit mit dem Antikünstler Gregor Netzer. Und es gibt noch weitere. Die passenden Stichworte sind bereits gefallen:

 

„Unpraktisch“ - ich erkläre Ihnen gerne, wie man ein Fresko vorbereitet, bevor es ans Malen geht und wie man beim Trocknen darauf achten muss, dass es keine Risse bekommt. Nicht selten landen die noch feucht zu haltenden Bruchstücke einer Mauer erst einmal im Kühlschrank. Ganz zur Freude meiner Familie. 

 

„Feinstaub“ – machen Sie hier doch mal die Türe an einem gewöhnlichen Wochentag auf!

 

„Sperrig“ - sehen Sie, was hier alles in der Dießener Hofmark vorbeikommt? Die Fahrzeuge sind zu groß. Im Gegenverkehr geht oft gar nichts mehr.  

 

Und was fällt mir zu deinen Bildern ein, liebe Elke?

 

„Romantik“ – Sie können das jetzt nicht ausprobieren, weil man allein sein muss. Jeder, der vor Elke Jordans riesiger Nebellandschaft steht, wird zur Rückenfigur, erinnert an Caspar David Friedrichs Wanderer. Als ich die Bank oberhalb von Urfeld malte, kamen zwei Wanderer und fragten vorsichtig, ob sie sich setzen dürften. Nur wenn sie sich nicht bewegen, war meine Antwort.

 

Und dann ist da noch die Überschrift in der SZ: „Idyll und Inferno“. In unserem Flyer zur Ausstellung heißt es "Idyll und Abgrund".

 

„Abgrund“ – gehen Sie von der Bank aus ein paar Schritte nach vorne, dann geht es gewaltig steil nach unten. Der Strommast im Hintergrund lässt ahnen, wie weit es in die Tiefe geht. Und auch Elke Jordans menschenleere Landschaften im Format einer Kinoleinwand können den einen oder anderen Betrachter mit einem Abgrund konfrontieren. Es gibt sie, diese Angst vor der Leere: „Horror vacui“. Der Maler Max Beckmann sagte einmal, er müsse den Bildraum immer mit möglichst vielen Gegenständen verstellen, damit er die Leere des endlosen Raumes ertragen kann. Man ahnt, weshalb hier ein Fries mit kleinen Bildern aus der Dießnerer Hofmark hängt. Bei dem winzigen Format ist der horror vacui beherrschbar und einsam bleibt man an diesem Ort auch nicht lange.

 

Idyll“ – Ich male auch in Gegenden, die so eine Bezeichnung eher verdienen würden als die Hofmark in Dießen - „schöne“ Landschaften. Eigentlich sollte man keine Werbung mehr machen. „Overtourism“ am Walchensee. Doch der Fleck, an dem die Bank steht, hoch über dem See, ist ein Traum. Und wenn Sie aus dem großen Bild mit dem LKW im Schaufenster die obere linke Ecke ausschneiden, dann bleibt ein kleines Bild von einem föhnigen Herbsttag mit Blick auf die Benediktenwand hinter dem Dießener Moos. Das ist dann aber doch „zu schön um wahr zu sein“.

 

Martin Gensbaur

 



Auch die lokale Presse hat unsere Veranstaltung nicht übersehen:

 

Neben einem

 

Artikel von Katja Sebald in der Süddeutschen Zeitung STA vom 28. 11. 2019

 

finden sich kurze Hinweise in der Ausgabe des Kreisboten Landsberg vom 27. 11. und den Ausgaben des Landsberger Tagblatts vom 26. November und 6. Dezember. Der Ammerseekurier brachte kurze Hinweise in den Ausgaben vom 26. 11 und 3. 12. 2019. Darüberhinaus fanden wir einen Hinweis mit Bild im Schlossmagazin eine kurze Notiz ohne Abbildung im Jezza-Magazin und im Ausstellungsmagazin M-Art.

 


Video


Download
Flyer zur Ausstellung
Anfang Dezember laden wir das Künstlerduo Elke Jordan und Grefor Netzer ins Kunstfenster ein:
"Zu schön um wahr zu sein"
Informationen finden Sie in unserem Flyer.
Flyer Kunstfenster Dezember_19_klein.pdf
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 "Triebkräfte der Erde"

   Mai 2019



 

SCHRIFTENREIHE

In unregelmäßigen Abständen erscheint zu unseren Ausstellungen die Schriftenreihe DAS KUNSTFENSTER.
Bisher erschienen: Nr.1. - "Die Dinge groß sehen" (2014) / Nr.2. - " Von der Wirklichkeit ermöglichte Erfindungen" (2015) / Nr.3 - "Auftauchen an einem anderen Ort" (2016) / Nr.4 - " Warum bleibt mir die Tankstelle, als wäre sie von Michelangelo?" (2017) / Nr.5 - "Triebkräfte der Erde" (2019) / in Vorbereitung Nr.6 - "Mein Japan" (Mai/2020)

 

Die Hefte sind im Buchhandel oder direkt über das Kunstfenster erhältlich. Solten Sie an den bisher erschienenen fünf Vorzugsausgaben interessiert sein, dann wenden Sie sich direkt an uns. Manch limitierte Auflage ist allerdings schon vergriffen.

 

Die sechste Ausgabe des Kunstfensters mit dem Titel "Mein Japan" ist noch in der "Pipeline". Das provisorische Titelbild zeigt die voraussichtliche Hängung der beiden Künstler in den SChaufenstern.  Nähere Infos folgen demnächst hier.
SCHRIFTENREIHE "DAS KUNSTFENSTER" - ISSN Nr. 2199-9074 / ISBN Nr. --------------/erscheint im Mai 2020

 


Kinder



Begegnungen mit jungem Publikum sind den Betreibern des Kunstfensters ausgesprochen wichtig. Martin Gensbaur ist nicht ohne Grund seit fast vier Jahrzehnten Kunstpädagoge. Dr Ulrike Gensbaur war jahrelang in den Münchner Museen mit Schulklassen unterwegs. So kommt es schon einmal vor, dass eine ganze Schulklasse im Kunstfenster vorbeischaut. Und natürlich ist das Kunstfenster auch ein fester Zwischenstopp des alljährlichen Faschingsumzugs der Dießener Schulkinder am "lumpigen Donnerstag".

Video


Martin Gensbaur, Hofmark 13, 86911 Dießen, www.gensbaur.de // © all rights reserved